Donnerstag, 10. März 2011
tschuldigung
darf ich sagen, dass ich den hut ziehe vor menschen, die es schaffen ihr leben unterhaltend in blogbeitraegen zu beschreiben. darf ich es aufgeben?
unwissend wie interessiert meine leserschaft tatsaechlich an meinen erguessen ist, scheint mir doch jegliche erklaerung meines alltags hier eher unbedeutend. wozu sollte es auch dienen, wenn es weder unterhaltend noch informativ scheint. auch will ich keine vorbildfunktion einnehmen will keinen animieren sich ein beispiel an meinem verlebten Monat februar zu nehmen um aehnlich gut durch den maerz zu kommen.
entschuldigt also den geringfuegigen Gehalt meines 3. blogeintrags aber wuerdigt ihn dennoch als verfasst. ich moechte betonen, dass der hier bechriebene sachverhalt sich nur auf die tatsache "blogeintrag" bezieht. lebe ich das leben, ohne mir den kopf ueber die moegliche blogeintragung zum verlebten zu zerbrechen ist es ausserst ereignisreich, bunt, anders und wie gesagt mir unmoeglich es in dieser form zu beschreiben. vielleicht gelingt es mir...womoeglich wird der monat maerz von mir ganz passend verlebt, um ihn in einem blogeintrag zu konserivieren und zu praesentieren. dennoch muss ich aber zugeben daran nicht zu arbeiten. in erster linie moechte ich erleben und beleben, bevor ich mir gedanken ueber die darlegung des verlebten mache. so nach dem quark hier seid ihr jetzt alle enttaeuscht nichts erfahren zu haben. das tut mir leid...dennoch muss ich jetzt in meine englischstunde. fowatido ich gruess euch

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Dienstag, 8. Februar 2011
Adresse hier...schreibt mir
Clara Matida Jabbi
P.O. BOX 1042
Banjul, The Gambia
West Africa

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bin da
Ihr Lieben,

wenn man einen Baumstamm absägt und in den Ozean schmeißt, wird auch in 1000 Jahren kein Krokodil draus. So ähnlich lautet nach Homar (von mir Grandmother getauft) ein Maninkasprichwort. Wir machten Sprichwoerterbedeutung raten auf der letzten Namingceremony. Clara also mal wieder unter vielen Krokodilen. Noch bescheuerter sieht man aus, wenn man sich dann noch als Krokodil verkleidet. Also stellt euch Clara im langen Litfasssaeulenartigen Kleid rosafarbend mit goldenen Kringeln vor. Judith meinte wir seien fuer alle folgenden Bad Taste Partys geruestet. Anders haette mich Sire nicht zur Ceremony gehen lassen. Man muss ja im gleichen Outfit erscheinen. Da hat man leider bei der Materialwahl auch kein Mitspracherecht. Tja da steht man nun, sieht bescheuert aus, hoert sich an wie toll man aussieht und tauscht alle Mandinkasaetze, die ich bis jetzt auf Lager habe aus. Leider resultiert mein jetziger Wortschatz viel aus unerhoerten Frauenrunden. 15 Muttis, die den Toubab in Genitalien auf Mandinka lehren. Was soll ich damit auf einer Namingceremony. ???Also gut dann bleibts mal wieder beim Smalltalk erster Klasse. Dabei versuche ich alle Worte, die mir so auf Mandinka einfallen zu verwurschteln. Darueber freuen sich die Sukuterianer, oder sagen wir die Mandinkas unter ihnen schon aussergewoehnlich. Wenn ich mir vorstelle, ich wuerde in Berlin einen Gambianer treffen, der mir nur weil ich mich kurz raeuspere das Wort Husten entgegenschreit und der dann auch noch Lob von mir erwartet, dann muesste ich schon einen ziemlichen Wunderbeutel umhaben, um die Freude ueber seinen Wortschatz zu teilen.

Zwar wird die Haut langsam dunkler, aber ich werde es in einem halben Jahr nicht schaffen als Sukuterianer durch die Strassen zu schlendern, ohne 20 Kinder hinter mir , die voller Inbrunst Toubab schreien. Ja so wie ich es manchmal liebe im Mittelpunkt zu stehen, so ist der Exotenstatus auch leicht belastend…man kann so schlecht abgehen von der Bühne. Schlendern ist das richtige Wort. Schneller als schlendernd bewegt man sich nicht fort. Denn es muss gegrüßt werden. Man stellt gegenseitig fest, dass es zu Hause gut geht, dass es einem selber gut geht, dass der Friede mit beiden ist, ganz wichtig wo man hingeht und wo man herkommt. Dann wird nach dem Befinden aller anderen Familienmitglieder gefragt. Das kann sich nur um Stunden handeln. Zum Glück leben im meinen Compound nicht so übermäßig viele Menschen. Wir sind derzeit harmlose 12. Alimatou will noch vor meinem Geburtstag ihr 5. Kind zur Welt bringen. Ins Krankehaus will sie dazu nicht gehen. Das haben ich Friedi am Telefon erzählt. Der wollt mir gleich die besten Tipps zur Geburtshilfe geben. Puuuuh ja in Gambia wachse ich schon ein bisschen über mich hinaus, schaffe es irgednwelche offenen Wunden, die leider hier ewigkeiten nicht verheilen zu verarzten, aber ich glaub um den Geburtshilfejob werd ich mich wohl doch druecken. So mit dem ersten Monatsbericht hab ich schon vor einer Weile angefangen. Ja in Gambia hat man halt fuer alles Zeit und alles was dazwischen kommt hat immer Prioritaet...ist also nicht mehr dazwischen, sondern wichtiger. Was ich sagen will? Das Baby (denano...ein schoen klingendes Wort finde ich) ist da. Und ich war zum Glueck nicht zu Hause gerade.
Es geht mir gut hier. Mein Kopf ist voll mit neuen Eindrücken. Jeden Tag erfrischt mich die gute Laune. Ja denn alles ist gut oder schlimmstenfalls auf dem Weg der Besserung. Manchmal beeindruckend mit welcher Vehemenz sich die Gambianer gegen trübe Gedanken wehren. Ich habe ein popeliges Magenproblem, aber wenn ich ehrlich bin ist dies seit 4 Tagen noch nicht wirklich gelöst, aber das behalt ich mal für mich. Man quatscht sich durch den Tag. Man besucht sich ganz viel. Das kann tatsächlich fast in Stress ausarten. Kalero ich hab dich vermisst. Du warst gestern nicht hier. Ja das ist auch ein Satz den ich jetzt schon auf Mandinka kann. Kalero bin ich. Sire behauptet, dass sie meinen Namen nicht aussprechen kann. Kalero heißt Kochtopf. Also gut. Jetzt schlender ich durch die Straßen und von allen Seiten schreit es Kochtopf Friede sei mit dir. Na es gibt schlimmeres. Ja getratscht wird wie doof. Clara geht joggen morgens um sieben. Eh bist du der Toubab der morgens um sieben joggen geht?.... Das ist übrigens toll. Ich lauf einmal bis zum Meer und zurück. Genial. Auf dem Weg bekomm ich noch ein Brot geschenkt, weil ich mal nett geschnackt hab. Tja so läuft das hier. Die sozialen Kontakte sind hier lebenserhaltend. Da kennt man jemanden hierfür und dafür und dann läuft der Laden.
Aus der Schule wollte ich am ersten Tag eigentlich gleich wieder gehen. Puuuh. Aber langsam findet man sich rein. Voraussetzung ist mal wieder, dass man die Ruhe weg hat und das Nichtstun genießen kann. Ich übe mich darin. Doch da wird mal wieder klar, dass ich kein Krokodil werde. Wahnsinn Clara du gehst so pünktlich zur Stunde. Meinem Kollegen, mit dem ich offiziell die Dramagruppe leite motivere ich immer persönlich jetzt mal die Stunde zu starten. Aber am Ende mache ich die Dinge, die ich machen will auch gern alleine. So bekomm ich meine Woche langsam voll. Natürlich nicht nur mit Stunden. Neben 7 Englishstunden, die ich mal ins Storytelling abgewandelt hab auf Improtheaterart ist da noch die Kameragruppe und die Dramagruppe. Und dann hab ich mit 2 Lehrern einen Deutschsprachkurs und ich bekomme Unterricht in Mandinka und Kochen. Suuuper dafür ist auch immernoch genug Zeit. Und nach der Stunde kurz ins Meer kommt auch immer gut. Der Kameragruppe hab ich versprochen überall dahin zu fahren wo sie Sachen aus ihrem Leben aufnehmen wollen. Das ist auch für mich total spannend. Wir waren heut bei Veronica die gleich mal ein ganzes Musikvideo gedreht hat. Scharf. Die Geschichten aus der Storytellinggruppe sind auch bezeichnend. Lamin saß im Buschtaxi und wollte bezahlen, doch der Fahrer sagte, dass wir doch alle arm und schwarz sind und er deshalb nicht bezahlen müsse. Dann stieg Lamin aus dem Buchtaxi aus und wollte auf den Markt gehen. Auf dem Weg traf er einen Toubab, der ihm versprach seine Jacke und die Schulbildung zu bezahlen. Aha. Jetzt war ich schon auf einer Weddingceremony in Brikama und dort hat Sirko seine ganze Familie aufgenommen. Am Sonntag wollte ich mit Mariamma in den Garten ihrer Mutter. Sonntag morgen um 9 stand Clara an der Schule... . Naja bei Mariamma war wohl was dazwischen gekommen. Mh, dann halt an einem anderen Tag.
Ja die Schule ist witzig. Gut, dass ich mich vom eigentlichen Unterricht ziemlich abseilen kann. Die Pubertät lässt Kinder manchmal ganz schön ätzend werden. Aber die Jungs machen alles für mich. Die bringen auch mal die kreischenden Mädels, die sich in meinem Unterricht die Sticker auf die Fingernägel klebe, zum Schweigen. Ganz hilfreich manchmal, nachdem ich den Lehrern verboten habe in meine Stunden mit dem Schlagstock zu kommen. Dafür kann man meine Stunden der Lautstärke nach gut verorten auf dem Schulgelände. Aber das wird schon.

Am Wochenende ist man immer mindestens auf einer Hochzeit oder einer Namingceremony eingeladen. Den Superstar von Gambia kenn ich jetzt auch schon. Der war hier in der dicksten Disko. Furchtbare Musik. Aber die anderen haben mir versprochen, dass wir bald nochmal richtig tanzen gehen. Mal sehen ob ich es schaffe die Reggeamusik schätzen zu lernen. Naja im Buschtaxi kommts schon ganz gut, wenn so die ganzen Köpfe mitwippen.
So jetzt hab ich hier schon wieder 5 Kinder um mich rum. Abdu wirft mir einen Kussmund nach dem anderen zu und schreit mir das ABC entgegen. Oh weia das erste mal, dass ich mit kleineren Kindern zusammen lebe. Da ist Action im Haus. Aber die Sprache lernt man so ganz gut.

Am Sonntag geh ich mit den echten Fischern in den offenen Ozean. Das hab ich mir gewuenscht und natuerlich kannte wieder irgendwer einen Fischer, der in Tanje arbeitet. Also am Sonntag gehts mit dem alten Holzboot in die Fluten und am Abend wollen wir meinen Fang am Strand grillen. Samstag feiere ich meinen Geburtstag am Strand zum ersten Mal im T-Shirt. Genial. Seit gestern Abend ist meine Kirsche Karo hier. Es ist schoen sie zum Geburtstag bei mir zu haben. Da kam heute morgen schon jurz eine komische Stimmung auf. So weit weg zu sein am eigenen Geburtstag ist schon ulkig. Aber Karo hat gesungen und ich hab heulend die Briefe von zu Hause empfangen. Ich kuess euch!!!!
Hier in der Schule angekommen hab ich schon tausend Orangen in der Tasche. Alle auf dem Weg von den Menschen zum Geburtstag geschenkt bekommen. Also soweit ein erster Monat in dem ich Hataya kochen gelernt habe, schon deutlich besser im Handeln bin, mein Mandinka immer besser wird, mein Magen abkackt, meine Stimme nun nach 4 Wochen Englischstunde auch leicht kratzt, ich langsam die Namen der Menschen behalte (im Maninka gibt es kein er, sie man kennt sich beim Namen) und und und. Ausserdem hab ich 2 Krokodile angefasst und eine Schlange um den Hals gehabt. UUUUUaaaaah! Ach und gerade faellt mir noch ganz viel mehr ein. Aber ich schreib einfach mal wieder.

Es grüßt Clara oder auch Matida…mein gambianischer Name, benannt nach dem gestorbenen 2. Kind meines Gastvaters, oder auch Kalero oder auch batata (so heiß ich seit dem ich das Wort Strand, badato auf Mandinka falsch ausgesprochen hab)…oder eben der Baumstamm im Ozean.


Fowatido

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